Fotoprojekt "-78,80%"

Sommersemester 2020

Das Fotoprojekt soll sich mit den Orten auseinandersetzen, die infolge der Corona-Ausbreitung wenig bis gar keinen Besucherverkehr mehr aufweisen, jedoch unter normalen Umständen viel besucht sind. Es soll die folgenreiche Ausbreitung des Coronavirus Covid-19 dokumentieren. Aufgrund der politisch festgesetzten Maßnahmen kommt das öffentliche Leben zu einem großen Teil zum Erliegen. Der Großteil hiervon verschiebt sich von der Öffentlichkeit in die eigenen vier Wände. Dadurch wirken viele Orte in unserer Umgebung allein durch die reine Abwesenheitder sonstigen Menschenmassen ungewohnt und zum Teil auch befremdlich. Die weltweit angewandten Social-Distancing-Maßnahmen sind in ihrem Ausmaß unvergleichlich. Es ist zu hoffen, dass es sich hierbei um ein einmaliges Ereignis handelt und wir nicht wieder wochenlang zur Fürsorge auf Distanz zu anderen gehen müssen. Das Fotoprojekt soll diesen Einschnitt in das öffentliche Leben der Gesellschaft dokumentieren und zeitgeschichtlich festhalten.

Die Fotografien sind Zeugen davon, dass nach den verordneten Corona-Beschränkungen das öffentliche Leben in Münster stark geschrumpft ist. Um diese in den Raum gestellte These fachlich zu untermauern habe ich mich auf die Suche nach Statistiken gemacht. Bei der Recherche bin ich auf das Unternehmen Hystreet gestoßen, die in vielen deutschen Städten Passantenzählungen vornehmen. Glücklicherweise finden sich auch in Münster an zwei Orten die Laserscanner des Unternehmens, die 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr Messungen vornehmen. Das eine Areal befindet sich an der Rothenburg, das andere an der Ludgeristraße. Da es sich bei der letzten um eine der Haupteinkaufsstraßen in Münster handelt, wichen die Werte der beiden Orte teilweise stark voneinander ab. In den Hochphasen zum Wochenende fast um 20.000 Passanten. (Messwert März 2019) Zudem kann es zu Messungenauigkeiten kommen. Wenn ein Passant beide Straßen durchläuft geht er doppelt in die Messung ein. Um aus beiden Messorten ein Ergebniss zu erhalten, mit dem weitergearbeitet werden kann, wird aus beiden der Mittelwert genommen.

Basierend auf diesen Messungen lässt sich nun sehr gut erkennen, wie stark das Passantenaufkommen in Münster nach den Corona-Beschränkungen eingebrochen ist. Für die Präsentation habe ich mich dazu entschieden, die ersten 14 Tage nach den Maßnahmen exemplarisch aufzuführen und mit den Fotografien zu versehen. Für jeden der 14 Tage wird der gemessene Wert mit dem aus dem Jahr zuvor verglichen. Hierbei wird nicht der 23.03.2019 mit dem 23.03.2020 verglichen, da es hier je nach Tag zu Unterschieden kommen kann. So könnte der 23.03 dieses Jahr ein Samstag sein und vor einem Jahr ein Sonntag. Diese Daten zu vergleichen wäre unsinnig. Deshalb werden die Datensätze den passenden Tagen nach verglichen. (23.03.2020 ist ein Montag – Vergleichswert ist vom Montag, den 25.03.2020 usw.)

Der Titel der Reihe „-78,80%“ ergibt sich schließlich aus dem Mittelwert aller verglichenen Rückgänge des Jahres 2020 zum Vorjahr.